18 Stahlskulpturen 2010
Neu und spannend ist für mich die energiereiche Entstehung der stark verdrehten Stahlrohre mit dem nicht vorgeplanten Ergebnis. Jahre zuvor hatte ich ähnliche Rohre zerlegt und die auseinanderfallenden Einzelteile in neue Zusammenhänge gebracht und teilweise farbig behandelt. Mit den neuen, meist zulaufenden säulenartigen Stahlrohren nehme ich mir die Freiheit, das Ergebnis der industriellen Realität als mein fertiges künstlerisches Produkt zu betrachten. Ich kann nicht sagen, ob ein poetischer Blick oder ein ästhetisches Gefühl dazu gehört; ich nenne es eine atmosphärische Stimmung am Fundort, die eine schnelle Entscheidung auslöst, um aus dem vorliegenden Angebot eine Auswahl zu treffen. Mit dem Aufrichten im Atelier wird die Arbeit begonnen und mit sparsamer Oberflächenbearbeitung bereits beendet. Die verformten Stahlrohre werden durch die Erhaltung zu Ikonen der Industrie. Der Betrachter sieht in ihnen weiche, geradezu menschliche Formen und Bewegungen, sichtbar unter Faltenwürfen, zum Beispiel die Doppelfiguren Adam und Eva 2000, drei Madonnentorsen oder die blaue Schreitende. Diese Radikalität, ein Fundstück zum Kunstwerk zu erklären, ist natürlich nicht neu, denkt man an die Künstler in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die unsere Sehgewohnheiten verändert haben.